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Ayahuasca und Antidepressiva: Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

07/06/2026 17 Min. Lesezeit

Antidepressiva gehören vor einer Ayahuasca-Zeremonie zu den wichtigsten Punkten der Sicherheitsprüfung. Dieser Ratgeber erklärt Risiken, betroffene Medikamentengruppen, Angaben vor der Anmeldung und Informationen, die bei sensiblen Hinweisen an ärztliche Partner übermittelt werden.

Aus diesem Inhalt kann eine eigene Erfahrung werden

Connecta Life ist mehr als eine Informationswebsite: Wir organisieren Retreats in Katalonien, je nach Termin auf Französisch oder Englisch, in kleinen Gruppen, mit Vorbereitung, Begleitung und einer gemeinsamen Online-Integrationssitzung 2 Wochen später.

Ayahuasca und Antidepressiva: Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Wichtiger medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient der Risikominderung. Er ersetzt weder ärztlichen Rat noch eine psychiatrische Beratung oder angemessene medizinische Betreuung. Wenn du ein Antidepressivum einnimmst, setze es nicht eigenständig ab, um an einer Zeremonie teilzunehmen: Abruptes Absetzen kann ein Entzugssyndrom, einen Rückfall von Angst oder Depression, erhebliche Schlaflosigkeit, Suizidgedanken oder psychiatrische Destabilisierung auslösen.

Die richtige Frage lautet deshalb nicht: „Wie viele Tage muss ich pausieren?“ Sie lautet: „Machen meine klinische Situation, meine genaue Behandlung, meine Vorgeschichte und mein Stabilitätsniveau ein Ayahuasca-Retreat jetzt sinnvoll?“ Diese Antwort wird zunächst vom Team von Connecta Life beurteilt. Bei einem orangefarbenen oder roten Hinweis wird sie vor jeder Teilnahmebestätigung an die ärztlichen Partner weitergeleitet.

Auf einen Blick

  • Ayahuasca enthält Beta-Carboline, die Monoaminoxidase, insbesondere MAO-A, hemmen und DMT oral wirksam machen. Diese MAO-hemmende Wirkung erklärt einen großen Teil der Medikamentenwechselwirkungen.
  • Serotonerge Antidepressiva wie SSRI und SNRI können in Verbindung mit einer MAO-hemmenden Substanz ein ernstes Risiko darstellen: serotonerge Überlastung, neurovegetative Symptome, Verwirrtheit, Unruhe, Hyperthermie und hoher Blutdruck.
  • Pharmazeutische MAO-Hemmer sind eine besonders starke Gegenanzeige, da ihre eigene Enzymhemmung zu der von Ayahuasca hinzukommt.
  • Lithium, bestimmte trizyklische und mehrere atypische Antidepressiva verlangen große Umsicht: Die Mechanismen sind nicht immer gleich, doch psychiatrische Ausgangslage und Wechselwirkungen bleiben sensibel.
  • Niemand, der ein Antidepressivum einnimmt, darf dazu ermutigt werden, seine Behandlung zu verschweigen, eigenständig abzusetzen oder ein Retreat ohne medizinischen Fragebogen zu wählen.

1. Warum Ayahuasca mit Antidepressiva wechselwirkt

Ayahuasca ist nicht einfach eine DMT-haltige Pflanze. In ihrer traditionellen Form verbindet sie eine DMT-haltige Pflanze mit der Liane Banisteriopsis caapi, die reich an Harmala-Alkaloiden ist. Diese Alkaloide hemmen vorübergehend bestimmte Monoaminoxidasen. Ohne diese Hemmung würde oral eingenommenes DMT im Verdauungstrakt schnell abgebaut und hätte nicht dieselbe psychoaktive Wirkung.

Genau dieser Mechanismus macht Ayahuasca kraftvoll, aber auch heikel in Verbindung mit Behandlungen, die auf Serotonin, Noradrenalin, Dopamin oder die Erregbarkeit des Nervensystems wirken. Antidepressiva sind nicht alle gleich. Manche erhöhen die verfügbare Serotoninmenge, andere verändern mehrere Neurotransmitter, wirken auf Rezeptoren oder haben eine lange Halbwertszeit. Sie werden bei Depressionen, Angst, chronischen Schmerzen, Zwangsstörungen, bipolarer Störung oder Schlafstörungen verordnet.

Im zeremoniellen Kontext müssen deshalb zwei Ebenen gleichzeitig betrachtet werden: der Wirkstoff und die Person. Dieselbe Medikamentengruppe kann zwei sehr unterschiedlichen Menschen verschrieben werden. Eine seit Jahren mit einer länger bestehenden Behandlung stabile Person befindet sich in einer anderen Situation als jemand, dessen Dosis gerade geändert wurde, der sich von einer schweren depressiven Episode erholt oder eine akute Angstkrise durchlebt.

2. Anzugebende Antidepressivagruppen

In einem seriösen Fragebogen genügt es nicht, „Antidepressivum ja/nein“ anzukreuzen. Anzugeben sind der genaue Name, die Dosis, Einnahmedauer, das Datum der letzten Änderung, der Verschreibungsgrund, psychiatrische Vorerkrankungen und begleitende Behandlungen. Handelsnamen unterscheiden sich zwischen Ländern; die Wirkstoffe müssen identifiziert werden.

Gruppe Häufige Beispiele Besondere Aufmerksamkeit bei Ayahuasca
SSRI Fluoxetin, Sertralin, Paroxetin, Escitalopram, Citalopram, Fluvoxamin Serotonerges Risiko durch die MAO-hemmende Wirkung von Ayahuasca; manche Wirkstoffe haben eine lange Halbwertszeit.
SNRI Venlafaxin, Duloxetin, Desvenlafaxin, Milnacipran Serotonerges und noradrenerges Risiko; auf Blutdruck, Herzrhythmus und Entzug achten.
MAO-Hemmer Moclobemid, Phenelzin, Tranylcypromin, Isocarboxazid, Selegilin Wesentliche Gegenanzeige: Ein pharmazeutischer MAO-Hemmer verstärkt die MAO-hemmende Wirkung von Ayahuasca.
Trizyklische Antidepressiva Amitriptylin, Clomipramin, Imipramin, Nortriptylin Mögliche Wechselwirkungen bei Serotonin, Noradrenalin, Herzfunktion und Sedierung; die Ausgangslage muss streng beurteilt werden.
Atypische Antidepressiva Mirtazapin, Trazodon, Bupropion, Vortioxetin, Agomelatin, Mianserin Unterschiedliche Mechanismen: Manche betreffen Serotonin, andere Schlaf, Angst, Rezeptoren oder die Krampfschwelle.
Begleitende Stimmungsstabilisierer Lithium, Lamotrigin, Valproat, begleitende Antipsychotika Oft bei komplexeren Krankheitsbildern verordnet; die Frage ist ebenso psychiatrisch wie pharmakologisch.

3. Das Hauptrisiko: serotonerge Toxizität

Ein Serotoninsyndrom entsteht, wenn der Organismus zu stark serotonerg stimuliert wird. Es ist kein bloßer „emotionaler Anstieg“. Die Zeichen können Unruhe, Verwirrtheit, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Zittern, Hyperreflexie, ungewöhnliche Bewegungen, beschleunigten Herzschlag und rasche Blutdruckschwankungen umfassen. Schwere Formen erfordern dringende medizinische Versorgung.

SSRI und SNRI erhöhen die Verfügbarkeit von Serotonin. Ayahuasca kann durch die MAO-A-Hemmung ihrer Beta-Carboline den Abbau von Monoaminen vermindern. Mehrere pharmakologische und risikomindernde Quellen betrachten die Kombination MAO-Hemmer + SSRI/SNRI daher als Hochrisikosituation. Die verfügbare Literatur ist begrenzt, doch Fallberichte und das Verständnis des Mechanismus verstärken die gebotene Vorsicht.

Schwierig ist, dass das Risiko äußerlich nicht immer erkennbar ist. Eine Person kann sich „fit“ fühlen, obwohl noch ein aktiver Wirkstoff im Körper vorhanden ist. Fluoxetin etwa ist für seine lange Halbwertszeit bekannt; auch andere Behandlungen können nach der letzten Einnahme pharmakologische Wirkungen hinterlassen. Deshalb sind aus dem Internet übernommene Standardfristen gefährlich: Sie berücksichtigen weder Wirkstoff, Dosis, Alter, Leber und Wechselwirkungen noch die psychische Stabilität.

4. Weitere häufig unterschätzte Risiken

Abruptes Absetzen

Ein Antidepressivum zu schnell abzusetzen kann schwierige Symptome auslösen: Schwindel, elektrische Empfindungen, Reizbarkeit, Angst, Traurigkeit, Schlaflosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Albträume, Erschöpfung oder die plötzliche Rückkehr der ursprünglichen Symptome. Im Retreatkontext können diese Beschwerden mit emotionaler Vorbereitung verwechselt werden, obwohl sie biologische und psychische Instabilität anzeigen.

Rückfall oder Destabilisierung

Eine antidepressive Behandlung kann die Grundlage sein, die eine Person stabil hält. Sie abzusetzen, um „Ayahuasca machen zu können“, kann diese Person gerade dann schwächen, wenn sie vor einer intensiven Erfahrung steht. Ein seriöses Zentrum muss Nein sagen oder eine Verschiebung vorschlagen können, auch bei hoher Motivation.

Begleitende Diagnosen

Hinter der Einnahme eines Antidepressivums kann ein umfassenderes Krankheitsbild stehen: bipolare Störung, frühere psychotische Episoden, komplexes Trauma, Suizidgedanken, Essstörung, Sucht oder schwere Zwangsstörung. Ayahuasca kann psychisch konfrontierend sein. Die Vorabklärung muss deshalb die gesamte Geschichte betrachten, nicht nur die Medikamentenpackung.

Kombinierte Behandlungen

Wer ein Antidepressivum einnimmt, nimmt manchmal zusätzlich ein angstlösendes Mittel, ein Schlafmittel, ein Antipsychotikum, ein Schmerzmittel, ein Migränemedikament, ein Ergänzungsmittel wie Johanniskraut oder ein Erkältungspräparat mit Dextromethorphan. Die Kombination mehrerer Präparate kann die Beurteilung vollständig verändern.

5. Fristen, Halbwertszeiten und falsche Sicherheit

Die häufigste Versuchung ist die Suche nach einer einfachen Zahl: 7 Tage, 14 Tage, 30 Tage. Diese Zahl beruhigt, kann aber täuschen. Ein Sicherheitsabstand berechnet sich nicht allein ab der letzten Einnahme. Er hängt von der Halbwertszeit des Wirkstoffs, seinen aktiven Metaboliten, der Dosis, dem Alter, der Leber, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und der Reaktion auf das Absetzen ab.

Fluoxetin ist das klassische Beispiel einer Behandlung, die lange nach der letzten Einnahme pharmakologisch relevant bleiben kann. Andere Antidepressiva verlassen den Körper schneller, können aber stärkere Absetzsymptome verursachen. Insbesondere SNRI können bei manchen Menschen schwierige Absetzsymptome auslösen. Das Risiko betrifft deshalb nicht nur die Frage: „Ist noch Medikament im Körper?“ Es betrifft auch: „In welchem Zustand ist die Person nach dem Absetzen?“

Eine Begleitperson, die eine allgemeingültige Frist vorgibt, übernimmt eine Verantwortung, die sie nicht tragen kann. Ein Arzt kann dagegen einen Absetz- oder Reduktionsplan beurteilen, wenn er ihn für sinnvoll hält. Doch selbst ein medizinisch sorgfältiges Absetzen garantiert nicht, dass die Person bereit für eine Zeremonie ist. Die Stabilität danach zählt ebenso wie das Absetzen selbst.

Ein umsichtiges Zentrum sollte deshalb Sätze wie „Es reicht, zwei Wochen zu pausieren“ vermeiden. Treffender wäre: „Bestimmte Behandlungen sind unvereinbar, solange sie aktiv sind. Wird ein Absetzen erwogen, muss es im Voraus medizinisch begleitet werden; das Retreat muss anschließend bis zu einer ausreichend stabilen Phase verschoben werden.“

6. Eine Verschiebung entscheiden: konkrete Beispiele

Eine Verschiebung ist kein Scheitern. Bei der Arbeit mit Ayahuasca kann Warten Ausdruck von Reife sein. In folgenden Situationen ist eine Verschiebung gewöhnlich vernünftiger als eine sofortige Teilnahme:

  • Die Person hat in den letzten Wochen das Antidepressivum oder die Dosis gewechselt;
  • sie beschreibt eine kürzliche Verschlechterung von Stimmung, Schlaf oder Angst;
  • sie will die Behandlung ausschließlich für die Teilnahme absetzen, ohne stimmigen medizinischen Plan;
  • sie hatte kürzlich Suizidgedanken, einen Krankenhausaufenthalt, eine manische oder psychotische Episode;
  • sie nimmt mehrere Psychopharmaka und kennt die genauen Wirkstoffe nicht;
  • sie lehnt bei komplexer Situation ab, dass das Zentrum ihren Arzt kontaktiert oder einbezieht;
  • sie verharmlost bereits vorhandene Absetzsymptome;
  • sie sucht eine schnelle Lösung für akutes Leiden.

Dieser letzte Punkt ist wesentlich. Ein Ayahuasca-Retreat kann für manche Menschen zutiefst bedeutsam sein, darf aber nicht zur Notfallantwort auf eine aktive Depression werden. Bei akutem Leiden muss zuerst der medizinische, psychotherapeutische, familiäre und soziale Rahmen gestärkt werden.

7. Was Teilnehmende vorbereiten können, ohne ihre Behandlung zu ändern

Erfährt jemand, dass seine Behandlung ein Retreat kurzfristig unmöglich macht, kann er sich enttäuscht oder abgelehnt fühlen. Wichtig ist, einen Vorbereitungsweg anzubieten, der nicht über das Absetzen des Medikaments führt. Innere Arbeit kann ohne Zeremonie beginnen.

Die Person kann beispielsweise ihre Intention schriftlich klären, therapeutische Betreuung stärken, ihren Schlaf stabilisieren, Alkohol und Freizeitdrogen reduzieren, sanfte Atemübungen oder Meditation praktizieren, frühere Erfahrungen integrieren, über Gegenanzeigen lesen und mit ihrem Arzt ehrlich über ihr Interesse an psychedelischer Medizin sprechen. All das schafft eine Grundlage. Manchmal zeigt diese Grundlage, dass das Retreat warten muss; manchmal eröffnet sie später eine besser begleitete Möglichkeit.

Für Zentren verändert diese Haltung die Beziehung zu den Teilnehmenden. Man sagt nicht nur „Nein“, sondern: „Nicht jetzt, nicht unter diesen Bedingungen, und dies kannst du klären, um für dich zu sorgen.“ Diese Differenzierung macht die Ablehnung menschlicher und verantwortungsvoller.

8. Was ein seriöses Zentrum erfragen muss

Ein Referenzartikel sollte Teilnehmenden ebenso wie Begleitpersonen helfen. Bei Antidepressiva besteht das seriöse Minimum aus einem schriftlichen Fragebogen und einem anschließenden Gespräch. Folgende Informationen sind einzuholen:

  • genauer Name jedes Medikaments, möglichst mit Wirkstoff;
  • Tagesdosis, Einnahmezeiten und Beginn der Behandlung;
  • Datum der letzten Dosisänderung;
  • Verschreibungsgrund und bekannte Diagnose;
  • Vorgeschichte von Krankenhausaufenthalten, Suizidkrisen, manischen Episoden, Psychosen oder bipolarer Störung;
  • frühere Absetzversuche und Absetzsymptome;
  • weitere Behandlungen, Drogen, Alkohol, Cannabis, Ergänzungsmittel und rezeptfreie Präparate;
  • Möglichkeit, bei sensiblen Hinweisen die ärztlichen Partner um eine Einschätzung zu bitten.

Die Person muss auch verstehen, dass der Fragebogen keine bloße Verwaltungssache ist. Er schützt die Gruppe, das Team und vor allem die teilnehmende Person. Über eine Behandlung zu lügen, um in ein Retreat aufgenommen zu werden, gehört hier zu den gefährlichsten Verhaltensweisen.

9. Entscheiden auf drei Ebenen

Ebene 1: der Wirkstoff

Bestimmte Medikamente sind unvereinbar oder erfordern so große Vorsicht, dass das Retreat verschoben werden muss. Dies gilt besonders für MAO-Hemmer, SSRI, SNRI und bestimmte gemischte oder kombinierte Behandlungen.

Ebene 2: die klinische Stabilität

Auch nach medizinisch begleitetem Absetzen bleibt die Frage: Ist die Person ohne ihre Behandlung stabil? Seit wann? Wie schläft sie? Hat sie ein ausreichendes Gleichgewicht wiedergefunden?

Ebene 3: der Retreatrahmen

Eine kleine Gruppe, eine erfahrene Begleitperson, ein Vorgespräch, Integration und die Fähigkeit, eine Anmeldung abzulehnen, verringern Risiken. Sie ersetzen keinen ärztlichen Rat.

10. Häufige Fehler

„Ich setze es einfach eine Woche vorher ab“

Dieser Satz ist ein Warnsignal. Bei manchen Wirkstoffen genügen wenige Tage nicht. Bei anderen ist das schnelle Absetzen selbst riskanter als die Teilnahme. Die Frist muss von einer medizinischen Fachperson festgelegt werden, die den Wirkstoff und die Person kennt.

„Mein Antidepressivum ist leicht“

„Leicht“ sagt pharmakologisch wenig aus. Eine niedrige Dosis kann aktiv bleiben; eine langjährige Behandlung kann Rezeptoren verändern; ein zum Schlafen verschriebenes Medikament kann auf Serotonin oder andere Systeme wirken.

„Ich habe gelesen, dass SSRI nur die Wirkung blockieren“

Einige Studien zu klassischen Psychedelika legen nahe, dass SSRI bestimmte Wirkungen von Substanzen wie LSD oder Psilocybin abschwächen können. Ayahuasca ist jedoch besonders, weil sie MAO-Hemmer enthält. Daten zu einem psychedelischen Wirkstoff lassen sich nicht einfach auf einen anderen übertragen.

„Ich möchte es nicht sagen, sonst werde ich abgelehnt“

Wenn dich ein Zentrum nur deshalb akzeptiert, weil es deine Behandlung nicht kennt, schützt es dich nicht. Eine Ablehnung oder Verschiebung kann frustrieren, ist aber manchmal die respektvollste Entscheidung.

11. Fragen vor der Buchung

  • Fragt ihr vor der Bestätigung nach den genauen Namen aller Medikamente?
  • Führt ihr ein Einzelgespräch oder gibt es nur ein kurzes Formular?
  • Was tut ihr, wenn jemand ein SSRI, SNRI, einen MAO-Hemmer oder Lithium einnimmt?
  • Seht ihr bei psychiatrischer Behandlung eine vertiefte Sicherheitsprüfung vor?
  • Seid ihr bereit, eine bereits bezahlte Anmeldung aus medizinischen Gründen abzulehnen oder zu verschieben?
  • Wie geht ihr mit einer Person um, die mit Absetzsymptomen, Schlaflosigkeit oder Angst ankommt?
  • Welche Begleitung ist während der gesamten Zeremonienacht gewährleistet?
  • Gibt es Integration nach dem Retreat und Nachbegleitung bei schwieriger Erfahrung?

12. Für Begleitpersonen: Mindestablauf

Ein umsichtiger Ablauf setzt nicht auf Improvisation. Er legt Ablehnungsschwellen, Verschiebungsfälle und Fälle fest, die ärztlichen Rat erfordern. Er dokumentiert Entscheidungen. Er schützt das Team auch vor kommerziellem oder emotionalem Druck: Eine Person kann um Teilnahme flehen, auf ihr bereits gebuchtes Ticket hinweisen oder sagen, „alles wird gut“. Die Rolle der Begleitperson besteht nicht darin, nachzugeben, sondern den Rahmen zu halten.

Ein Mindestablauf sollte Folgendes umfassen:

  • eine schriftliche Liste riskanter Medikamentengruppen;
  • eine klare Vorgabe: Das Zentrum verlangt kein Absetzen einer Behandlung;
  • eine Nachrichtenvorlage, die daran erinnert, dass ein Absetzen niemals allein oder unter dem Druck eines Retreats beschlossen werden darf;
  • Verschiebungskriterien bei kürzlicher Behandlungsänderung, kürzlicher depressiver Episode, schwerer Schlaflosigkeit oder Suizidkrise;
  • ein Notfallverfahren und Kenntnis der Zeichen serotonerger Toxizität;
  • eine einfache Regel: Bei ernsthaften Zweifeln wird verschoben.

13. Nach dem Retreat: Wiederaufnahme der Behandlung und Integration

Das Thema endet nicht am Tag nach der Zeremonie. Wurde eine Behandlung medizinisch begleitet verändert, müssen eine mögliche Wiederaufnahme, Stimmungsbeobachtung und Integration vorausgeplant werden. Manche Teilnehmende fühlen sich sehr offen, erleichtert oder überzeugt, nichts mehr zu brauchen. Dieser Eindruck kann aufrichtig sein, darf aber keine medizinische Entscheidung ersetzen.

Ein verantwortungsvolles Team erinnert daran, dass Integration schrittweise geschieht. Die Person sollte weiterhin Schlaf, Appetit, emotionale Stabilität, Beziehungen, Arbeitsfähigkeit und mögliche düstere Gedanken oder ungewöhnliche Symptome beobachten. Betreut ein Arzt die Behandlung, muss er für Entscheidungen zu Wiederaufnahme, Anpassung oder Fortführung die Bezugsperson bleiben.

Für Begleitpersonen kann eine klare Nachricht nach dem Retreat viel Verwirrung vermeiden: Ändere deine Behandlungen nach einer starken Erfahrung nicht eigenständig; nimm dir Zeit für Integration; kontaktiere deinen Arzt bei instabiler Stimmung; suche bei Suizidgedanken, schwerer Schlaflosigkeit, Verwirrtheit oder anhaltender Unruhe rasch Hilfe.

14. Kurze Checkliste für eine verantwortungsvolle Entscheidung

Vor der Platzbestätigung sollten Teilnehmende und Zentrum diese Punkte klar beantworten können. Bleiben mehrere Antworten unklar, muss das Retreat warten.

  • Der genaue Name jeder Behandlung ist bekannt, nicht nur der Handelsname.
  • Jede mögliche Behandlungsanpassung wird im Voraus medizinisch begleitet und nicht für das Retreat beschlossen.
  • Die Person befindet sich weder in akutem Entzug noch in schwerer Schlaflosigkeit oder einer kürzlichen psychischen Krise.
  • Der Abstand seit der letzten Einnahme passt zum Wirkstoff und ist medizinisch bestätigt.
  • Begleitende Behandlungen sind angegeben: angstlösende Mittel, Schlafmittel, Lithium, Antipsychotika, Opioide, rezeptfreie Präparate und Ergänzungsmittel.
  • Die Person versteht, dass eine Verschiebung keine Strafe, sondern eine Schutzmaßnahme ist.
  • Das Team weiß, was bei Verwirrtheit, Unruhe, ungewöhnlichen körperlichen Symptomen oder Bedenken während der Zeremonie zu tun ist.

Diese Checkliste ersetzt keine medizinische Beurteilung. Sie hilft, die häufigsten blinden Flecken zu vermeiden: verharmloste Behandlung, erfundene Frist, verschwiegener Entzug, unvollständige Diagnose oder Druck in letzter Minute.

15. FAQ

Kann man unter SSRI Ayahuasca nehmen?

Bei einem umsichtigen Ansatz: nein. SSRI gelten gewöhnlich als unvereinbar mit Ayahuasca, solange sie aktiv sind, wegen des serotonergen Risikos durch die MAO-hemmende Wirkung der Liane. Ein möglicher Absetzabstand muss mit einem Arzt entschieden werden, nicht von einem Retreatzentrum.

Sind SNRI weniger riskant als SSRI?

Nicht unbedingt. SNRI wirken ebenfalls auf Serotonin und bringen eine noradrenerge Komponente hinzu. Venlafaxin oder Duloxetin etwa müssen ebenso ernsthaft angegeben und beurteilt werden.

Was gilt für Mirtazapin, Bupropion oder Trazodon?

Diese Behandlungen lassen sich nicht auf die SSRI-Kategorie reduzieren. Sie haben andere Mechanismen, können aber je nach Fall Rezeptoren, Schlaf, Angst, Serotonin oder die Krampfschwelle beeinflussen. Deshalb müssen sie individuell beurteilt werden.

Ist Lithium vereinbar?

Lithium ist ein sehr starkes Vorsichtssignal: aus pharmakologischen Gründen und weil es häufig bei bipolaren oder komplexen affektiven Krankheitsbildern verschrieben wird. Ein Ayahuasca-Retreat darf ohne fachärztlichen Rat und strenge psychiatrische Vorabklärung nicht erwogen werden.

Wenn mein Arzt dem Absetzen zustimmt, muss mich das Zentrum akzeptieren?

Nicht automatisch. Der Arzt beurteilt Behandlung und Gesundheit; das Zentrum beurteilt zusätzlich den zeremoniellen Rahmen, die Gruppe, die Begleitungskapazität und die Eignung des Zeitpunkts. Beide Formen der Umsicht ergänzen sich.

Quellen und Referenzen

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